34 Porträts

Tiflis – Leben in einer neuen Zeit: Liste der interviewten Personen
mit einer kurzen Zusammenfassung

1 – Ketato Popiaschwili, Schauspielerin, Sängerin, 1978
01 IMG_1683-blog Sehr jung heiratet sie den Songwriter, Lyriker und Musiker Irakli Charkviani, eine Ikone der alternativen und jungen Musikszene der 90er Jahre. Sein erstes Solo-Album wird 1993 in Deutschland aufgenommen und herausgebracht. Er starb 2006. Ketato ist Sängerin und Schauspielerin und widmet sich dem Werk ihres verstorbenen Mannes.

 

2 – Dawit Dschischiaschwili, Physikprofessor, 1950
Manana Kwatschantiradse, Professorin für Literatur und Semiotik, 1950
02 IMG_3865-blogÜber die Deutschen in Georgien weiß Dawit Dschischiaschwili viel zu berichten: Selbst von einer „Tante“ erzogen – so nannte man  die deutschstämmigen Gouvernanten – erzählt er über die deutschen Siedler im 18. Jahrhundert, die unvergessene deutsche Unterstützung für Georgiens Unabhängigkeit nach 1918, die deutschen Kriegsgefangenen nach dem 2. Weltkrieg. Aber auch seine Kommentare zur heutigen Situation Georgiens sind sehr erhellend.

3 –  Keti Dschischiaschwili, Künstlerin, Autorin, Übersetzerin, 1979
03-IMG_3624-blogKeti hat als junges Mädchen die schwierige Zeit der 90er Jahre bewusst erlebt –beschützt von ihren Eltern und aus der Perspektive eines Kindes erlebte sie sie jedoch ohne Schrecken. Sie empfindet sie als wertvolle Erfahrung, die sie für ihr ganzes Leben geprägt hat.

 

4 – Eteri Baduaschwili, Friseurin, 1979
04-IMG_3910-2-blogUrsprünglich hatte sie Pharmazie studiert. Aber in jener Zeit in den 90er Jahren, als sogar Jobs nur gegen Bestechung zu haben waren, hätte sie 5000 Dollar für eine Anstellung bezahlen müssen – und das zu einer Zeit, als eine Familie von 100 Dollar im Monat gut leben konnte. Da wurde sie Friseurin. Heute hat sie ihren eigenen kleinen Salon und kann gut davon leben.

 

5 – Solomon Lasariaschwili, derzeit Autohändler, 1966

05-IMG_4696-blog Georgiens Exportprodukt Nummer 1 sind Gebrauchtwagen. Sie werden aus Westeuropa, den USA und Japan importiert und hier auf dem größten Automarkt der gesamten Region an die östlichen Nachbarn und nach Zentralasien weiterverkauft. Bemerkenswert ist, wie die ursprüngliche Korruption auf diesem Markt durch absolute Transparenz und perfekten, bezahlbaren Service durch die staatliche Zulassungsstelle abgelöst wurde. Hier verkauft auch Solomon Lasariaschwili gelegentlich Autos, die er aus Deutschland importiert.

6 – Tamara Gurgenidse, Opernsängerin und Gesangspädagogin, 1940
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In 40 Jahren auf der Opernbühne hatte sie alle Traumrollen eines Mezzosoprans: in Aida, Troubadour, Carmen, Barbier von Sevilla, Eugen Onegin.
In späteren Jahren arbeitete sie auch als Regisseurin, heute gibt sie ihr Wissen und ihre Erfahrung als Gesangspädagogin weiter.

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7 – Surab Mikawa, Marktstandbesitzer, 1954
07-IMG_3923-blogIn der späten Sowjetunion konnte er als selbstständiger Bauingenieur in Sochumi, der Hauptstadt Abchasiens, sehr gut leben. 1992 begann der Krieg um die Unabhängigkeit Abchasiens. Als ethnischer Georgier musste er mit Frau und kleinen Kindern fliehen und verlor alles. Inzwischen hat er sich im neuen Leben ganz gut eingerichtet. Aber „wie jeder Abchasier“ träumt er jede Nacht davon, in sein Haus zurückkehren zu können.

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8 – Elsa Bagdasarian, Maniküre, 1936

08-IMG_4838-blogIn der Sowjetzeit arbeitete sie schon viele Jahre in einem großen Kosmetik- und Friseur-Salon. Nach einigen Verwerfungen, bedingt durch die wirtschaftlichen Turbulenzen nach dem Ende der Sowjetunion, konnte sie ihre Arbeit in einem kleinen Privatsalon fortsetzen. Obwohl auch ihr Mann Armenier war, ist ihre Erinnerung an die armenische Sprache und Kultur verblasst.

 

9 – Ketewan Mouget, Nachfahrin des vorletzten georgischen Königs, Erakle II., 1957
09-IMG_5990-blogKetewan Mouget stammt ab von König Erekle II. (1720 – 1798) und wohnt im Haus der Familie – einem historischen Denkmal, in dem man allerdings, wie sie sagt, „einen Regenschirm braucht, weil es eine Ruine“ ist. Sie ist eine verwitwete Mouget, ihr Mann war Franzose. Wie so vielen Georgiern fehlt es ihr am Nötigsten, z.B. einer Brille oder Medikamenten. Ihre große Hoffnung ist Iwanischwili, der neu gewählte Regierungschef.

 

10 – Lewan Tsintsadse,  Geigenbauer, 1959
10-IMG_6537-blogSeine Urgroßmutter war eine der ersten Geigenbauerinnen. Sie stammte aus der georgischen Fürstenfamilie der Orbeliani und war Nachfahrin des vorletzten Königs Erakle II. Von ihr hat Lewan Tsintsadse schon als Kind viel über Geigenbau gelernt. Von da an ließ ihn diese Kunst nicht los. Nach Ausbildung und Lehrtätigkeit am Konservatorium wusste er: Sein Ziel war das italienische Cremona, die Heimat des Geigenbaus. Dort konnte er acht Jahre lang das Handwerk erlernen und Berufserfahrung sammeln. Georgien ist jedoch ein kleiner Markt, seine Hauptabnehmer sind in Japan.

11 – Elene Chudoian, Vorsitzende des jesidischen Jugendverbands, 1982
11-IMG_7264-blogElene leitet den Jugendverband der Jesiden. Sie zählen sich zu den Kurden und sprechen auch Kurdisch, ihre Religion ist jedoch vorislamisch mit vielen Elementen altiranischer Kultur. Beide Elternteile müssen Jesiden sein, eine Mischehe bedeutet Austritt aus der Religionsgemeinschaft. Der Jugendverband setzt sich für die kulturelle Identität der Jugendlichen und den Austausch mit anderen religiösen und ethnischen Minderheiten in der Region ein.

 

12 – Dr. George Tschitschua, Leiter der Chichua Eye Clinic Mzera, 1971

12-IMG_4339-blogSeine Eltern und Großeltern waren bereits Ärzte, und so studierte auch George Tschitschua Medizin, zuerst in Moskau, später in Freiburg. Hier knüpfte er Kontakte zum Christoffel-Blindenwerk und konnte mit dessen Hilfe in der schwierigen Zeit um das Jahr 2000 seine Augenklinik aufbauen. Heute steht die Klinik auf eigenen Beinen und kann ihrerseits in der georgischen Provinz Hilfe leisten.

13 – Simon Daschtu, Haustechniker, Mann für alles in der Augenklinik, 1949
13-IMG_4171-blogSimon Daschtu ist assyrischer Christ, eine Minderheit in Georgien mit eigener Sprache. Früher war er Schauspieler, Beleuchter und Kameramann beim Film, heute arbeitet er als vielseitiger Alleskönner in der Augenklinik – alle kennen ihn und respektieren ihn, denn er kann alles, wirklich alles, reparieren und wieder in Ordnung bringen.

 

14 – Baia Puturidse, Lehrerin, 1926
14-IMG_1491-blog Die heute 85-jährige Baia Puturidse unterrichtete noch bis vor wenigen Jahren am Ersten Gymnasium Georgisch und Literatur, einer Schule von höchstem Renommé. Bis heute wird Baia Puturidse von Generationen ihrer ehemaligen Schülern verehrt. Am Systemwechsel bedauert sie vor allem, dass mit ihm Literatur, Theater und umfassende Bildung schlechthin an Wertschätzung verloren haben.

15 – Dato Surabischwili, Politiker, 1957 und Chatuna Kopaleischwili, Deutschlehrerin, 1958
15-IMG_6111-2-blog15-IMG_6121-blogDato Surabischwili war stellvertretender Bildungsminister zu Beginn der Regierung Iwanischwili, später dann Assistent des Parlamentspräsidenten. Es war ein weiter Weg dorthin von den Anfängen des Liberty Institutes, einer NGO für Bürgerrechte, deren Mitbegründer er 1996 war. Anfangs Unterstützer der Rosenrevolution, wendeten er und andere Bürgerrechtler sich bald ab und gründeten die Republikanische Partei, die heute Teil der Iwanischwili-Regierung bildet. Seine Frau Chatuna Kopaleischwili lernte Deutsch bei ihrer deutschstämmigen Kinderfrau – einer Tante – studierte Germanistik an der Humboldt-Universität in Ost-Berlin und wurde Deutschlehrerin am Gymnasium.

16 – Gaga Nachutsrischwili, Dichter, 1971
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Er gehört der Generation der heute 40-Jährigen an, die im Abchasien-Krieg viele Freunde verloren haben und in der schwierigen Zeit der Neunzigerjahre ins Berufsleben eintraten. Trotzdem fand Nachutsrischwili seinen Weg in einem Bereich, in dem viele unter günstigeren Umständen aufgeben: dem Schreiben und der Dichtkunst.

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17 – Aus: Westflug (The Jeans Generation) von Dato Turaschwili

17 IMG_7809-blog“Möglicherweise gab es noch anderen Gründe, aber es ist eine Tatsache, dass die eigene Gruft der einzige Besitz war, den das sowjetische Regime dem Volk gönnte, und damit begann der Niedergang des sowjetischen Georgiers. Der gute Geschmack des Georgiers musste in der Sowjetzeit geradezu verfallen, da der einzige Besitz, über den er noch verfügte, das Grab war, und so fing er an, Grabmäler zu schaffen, wie er sie nie zuvor besessen hatte. War das georgische Grab zuvor immer genial einfach gestaltet gewesen, so hatte sich im sowjetischen Georgien das Verhältnis zum Grab, ja zum Tod im allgemeinen, vollständig gewandelt, und auf den sowjetischen Gräbern sah man fortan marmorne Stühle und Tische, ja sogar Motorräder und Autos. Diese Autos waren zu Lebzeiten ihres Besitzers zwar auf andere Namen zugelassen gewesen, aber der sowjetische Georgier wusste doch mit Gewissheit, das die Gruft sein Eigentum war und dass sie ihm, im Unterschied zu anderen Besitztümern, niemand mehr nehmen konnte. Deshalb sorgte er für sie, verschönerte sie wie er nur konnte und pflegte und hegte mit ihr den einzigen Besitz, den er sein eigen nannte. Und die sowjetische Regierung, die es niemandem zugestand, Haus oder Hof mit einer Mauer zu versehen, nahm keine Notiz davon, wenn man auf seiner Gruft einen Palast baute, denn im eigenen Grab war man frei und das Grab war der einzige Ort in Sowjetgeorgien, auf den sich die Sowjetmacht nicht erstreckte.” (Abdruck mit freundlicher Erlaubnis von Wagenbach Verlag)

18 –  Maka Alioglu, Projektleiterin beim Deutschen Volkshochschulverband International, 1985
18-IMG_4767-blogMaka gehört der aserbaidschanischen Minderheit an und ist Muslimin. Sie wurde vor allem von ihrem Vater sehr in ihrem Streben nach einer guten Ausbildung unterstützt. So durfte sie als junges Mädchen als Austauschstudentin in die USA gehen und wenig später ein Praktikum bei der UNO in New York machen. Sie ist bestrebt, ein Vorbild an Bildung, Weltoffenheit und Erfolg im Beruf für andere junge Frauen aserbaidschanischer Herkunft zu sein.

19 – Eka Leschawa, Französischlehrerin, Übersetzerin, 1971

19-IMG_6599-blogEka Leschawa liebt die französische Sprache, Literatur und alles, was französisch ist. Die Möbel der Familie stammen – wie in so vielen Wohnungen – aus dem Beutegut, das bei Kriegsende waggonweise aus Deutschland abtransportiert wurde. Die schweren, dunklen Möbel aus der Gründerzeit werden hier hoch geschätzt. Ob sie bei uns so lange überlebt hätten?

20 – Tsitso Gogoladse, Schneiderin, 1957

20-IMG_3797-blogFrau Gogoladse begrüßt mich auf Deutsch – das hat sie in ihrem Dorf in Kachetien in der Schule gelernt. Sie konnte es verbessern, als sie in den Neunzigerjahren für deutsche Auftraggeber in einer Textilfabrik in Tiflis arbeitete. Nach 12 Jahren dort begann sie zu Hause für ihre eigenen Kunden zu schneidern. An Aufträgen fehlt es nie.

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21 – Koka Ramischwili, Bildender Künstler, 1956
21-IMG_0656-blogBei seinen Besuchen in Estland, der Heimat seiner Mutter, kam Koka Ramischwili schon als Kind und Jugendlicher in den 60er Jahren in Kontakt mit Finnen und Schweden. Was ihn am Westen damals schon so reizte, war die offene und kritische Auseinandersetzung. Entscheidend war jedoch die Freundschaft mit dem Aktionskünstler Flatz, durch den er viele Jahre später nach München kam. Er wurde sehr erfolgreich, lebt mit seiner georgischen Frau in Zürich und arbeitet dennoch meist in Tiflis, weil er dort verwurzelt ist – ein Spagat zwischen den Kulturen.

22 – Tsissa Tscholokaschwili, Balletttänzerin, Regieassistentin, 1975

22-IMG_0747-blogDie Balletttänzerin Tsissa Tscholokaschwili tritt immer noch auf der Bühne auf, seit kurzem jedoch – sie ist mittlerweile 35 Jahre alt – arbeitet sie auch hinter der Bühne: Sie ist Regieassistentin und trainiert junge Talente.

 

23 – Marine Solomonischwili, Repräsentantin nationaler und internationaler NGO-Projekte
23-IMG_7664-2-blogGerade als Marine Solomonischwili in Moskau den letzten Teil ihrer Promotion in Architektur ablegen sollte, schlugen am 9. April 1989 sowjetische Fallschirmjäger eine gewaltfreie Demonstration in Tiflis mit Giftgas nieder, was weitreichende Konsequenzen hatte. So konnte Marine Solomonischwili ihr Studium nicht abschließen und ihr Leben verlief in anderen Bahnen: Sie engagiert sich auf nationaler und internationaler Ebene vor allem für Frauen aus Minderheiten, nicht nur in ihrer eigenen Gemeinde, der jüdischen. Darüber hinaus arbeitet sie für das Verständnis zwischen Ethnien und Religionen.

 24 – Merab Berdsenischwili, Bildhauer, 1929 und  Giorgi Tschetschelaschwili, Physiker, 1952
24-IMG_4079-blog24-IMG_4136-blogMerab Berdsenischwili, heute hoch in den 80ern, war über viele Jahre ein berühmter und viel beschäftigter Bildhauer in der Sowjetzeit. Seine monumentalen Denkmäler sind nicht nur an vielen Orten in Georgien, sondern auch in anderen Regionen der ehemaligen Sowjetunion zu finden. Sein Stiefsohn, der Physiker Giorgi Tschetschelaschwili, betreut sein Werk.

25 – Ia Elisaschwili, Bratschistin, 1964
25-IMG_5554-blogIa hat am Konservatorium Bratsche studiert und hat eine feste Anstellung an der Oper. Allerdings wird die Oper seit einigen Jahren renoviert und es gibt kein Ausweichquartier, so dass die Musiker ihre Stücke zu Hause einstudieren und sich selbst um Auftritte bemühen müssen. Ia Elisaschwili hat ihr eigenes Quintett gegründet.

 

26 – Manana Macharadse, Radiojournalistin, 1949
26-IMG_5468-blogSeit über 30 Jahren arbeitet sie beim Fernsehen: zuerst als Regieassistentin, schließlich als Autorin und Regisseurin von Kultur- und Wissenschaftssendungen. Zur Sowjetzeit wurden viele rein georgische Sendungen von hoher Qualität gemacht, inzwischen werden fast alle Formate vom Ausland importiert. Heute macht sie eine medizinische Ratgebersendung für Eltern. Den Sendeplatz finanziert das staatliche Fernsehen, ihr Gehalt wurde einige Jahre von Hipp übernommen, inzwischen von Humana.

 

27 – Venra Arbolischwili, Kursleiterin, 1936
und Madona Oqropiridse, Büroleiterin, 1957

27-IMG_4631-blog27-IMG_4671-blogVor den Toren der Stadt liegt das Flüchtlingslager Koda. Hier leben Binnen­flüchtlinge aus Südossetien, das seit dem Krieg von 2008 von Russland besetzt ist. Der Deutsche Volkshochschulverband International bietet hier berufliche Fortbildung an, wie Englisch oder handwerkliche Grundkenntnisse für Schneider, Friseur, Schreiner. Frauen aus Südossetien berichten.

28 – Dr. Dawit Machatadse, Chefarzt der Abteilung Kinder- und Jugendmedizin, 1954
28-IMG_0889-blogDr. Machatadse hat sein ganzes Berufsleben an dieser Klinik verbracht. Die Zeit nach dem Ende der Sowjetunion war schwer: Kein Strom, keine Heizung, auch keine Medikamente. Aber man hat immer weiter gearbeitet und allmählich wurden die Bedingungen besser. Immer mehr Patienten sind krankenversichert, dennoch waren es 2011 erst etwa 30%.

 

29 – Marina Baidaschwili, Kinderfrau, 1956
29-IMG_7469-blogZur Sowjetzeit war sie Ingenieurin bei der Feuerwehr, ebenso wie ihr Mann, der dort in leitender Position war. Als in der Bürgerkriegszeit das Parlament angegriffen wurde, kam er im Einsatz durch eine verirrte Kugel ums Leben. Sie blieb mit zwei kleinen Kindern zurück. Später, nach Jahren der Not, fand Marina keinen Anschluss mehr in ihrem ursprünglichen Beruf und wurde Kinderfrau, was sie heute sehr glücklich macht.

30 – Tina Geladse, Laborantin im Ruhestand, 1947
30-IMG_5656-blogTina Geladze arbeitete über Jahrzehnte als Krankenschwester – auch als aufgrund der Umstände die letzten zehn Jahre keine Gehälter ausbezahlt wurden. Die Klinik war für sie ein Zuhause, warum sollte sie daheim sitzen und nichts tun? Und vielleicht kommt ja nächsten Monat das Geld? Inzwischen ist sie im Ruhestand und erhält eine kleine Rente. Sie und ihr Mann sind seit ihrem 14. Lebensjahr verheiratet.

 31 – Manana Tschchaidse, Mathematikerin und Metallurgin im Ruhestand, 1939
31-IMG_5210-blogNach dem Studium der Mathematik an der physikalisch-mathematischen Fakultät arbeitete sie viele Jahre am Metallurgischen Forschungsinstitut, wo man zu jener Zeit sogar am Bau von Raumschiffen mitwirkte. Die Unabhängigkeit Georgiens bedeutete jedoch den Niedergang der georgischen Forschung auf diesem Gebiet. Wie für so viele Georgier spielt die Religion für sie eine sehr wichtige Rolle in ihrem Leben – und das nicht erst seit dem Fall der Sowjetunion.

32 – Kacha Gwelesiani, Aufsichtsratsvorsitzender der ExpoGeorgia, 1952
32-IMG_0860-blogAls Kacha Gwelesiani 1994 die Leitung der ExpoGeorgia übernahm, war sie in einem erbärmlichen Zustand: Die Hallen standen zwar noch, aber das ganze Gelände war nach Jahren des Kriegs und des Chaos nur noch ein einziger Müllhaufen. Heute ist die neu belebte ExpoGeorgia nicht nur wichtig für Georgiens Ex- und Import, sondern dank ihres wunderbar angelegten Parks auch ein Genuss für den Besucher.

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33 – Chatuna Tschumburidse, Fechterin, 1973
33-IMG_1205-blogChatuna Tschumburidse hatte in sowjetischer Zeit beste Chancen, bei den nächsten olympischen Spielen mit dabei zu sein. Mit dem Fall der Sowjetunion – sie war damals 17 – war dieser Traum ausgeträumt: Das unabhängige Georgien hatte keine eigene internationale Mannschaft. Sie studierte Wirtschaft und arbeitete lange Jahre in der Bank. Seit kurzem ist sie zu ihrer Leidenschaft, dem Fechten, zurückgekehrt und trainiert die jungen georgischen Fecht-Talente und dies mit großem Erfolg.

34 – Giorgi Tschawleischwili, Schulleiter, 1985
34-IMG_1045-3-blogAls 16-Jähriger strebt Giorgi Tschawleischwili eine Karriere als Basketballer an. Er wird von amerikanischen Scouts entdeckt und bekommt ein mehrjähriges Athleten-Stipendium für die USA. Bald erkennt er: Wichtiger als Basketball ist Bildung – er kehrt zurück nach Georgien und gründet mit 25 Jahren ein Studienzentrum und eine Schule.

 

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